Frage 3 (Horváth)

Primärtext: "Geschichten aus dem Wiener Wald" von Ödön von Horváth

"Geschichten aus dem Wiener Wald" ist das bekannte Theaterstück des österreichisch-ungarischen Schriftstellers Ödön von Horváth. Es wurde 1931 in Berlin uraufgeführt. Horváths Stück demaskiert knapp und lakonisch das Klischee von der „Wiener Gemütlichkeit“ und stellt unter Verwendung ihrer bekannten Klischees auf grausame Weise deren kleinbürgerliche Verlogenheit zur Schau.

Frage 3: How and why is a social group represented in a particular way?

Deutscher Arbeitstitel:

Die Darstellung der traditions- und religionsbezogenen Gruppierung in „Geschichten aus dem Wienerwald“.

Outline

Frage: Wie und warum wird eine soziale Gruppierung in einer bestimmten Art und Weise dargestellt?

Die Darstellung der traditions- und religionsbezogenen Gruppierung in „Geschichten aus dem Wienerwald“

  • Großmutter weist Schuld von sich: “Gott gibt und Gott nimmt”
  • Lässt Gott über Leben und Tod entscheiden
  • „Ich hab mein Kind in Ehren geboren, oder bist du ein unehelicher Schlampen?! Wo kein Segen von oben dabei ist, das endet nicht gut, und soll es auch nicht!“
  • heiligen Sakrament der Ehe, sonst ist das Kind weniger wert
  • Zeigt, dass auch andere Frauen sich gegen Marianne stellen
  • Beichtvater: „Und du hast dieses Kind der Schande und Sünde nicht einmal taufen lassen.-Sag selbst: kann bei all dem etwas Gutes herauskommen?“
  • Rhetorische Frage: zeigt dass er nicht versuchen will, Marianne zu verstehen
  • Wird somit aus der Glaubensgemeinde ausgeschlossen
  • Solidarität zur Männerwelt und Zwangsheirat: „du hast deinem armen alten Vater…schmerzlichstes Leid zugefügt…hast deinen braven Bräutigam verlassen und hast dich an ein verkommenes Subjekt geklammert“
  • Wertet Alfred ab
  • Oskar: stellt sich als Opfer dar
  • „Ich hab sie noch immer lieb --- vielleicht stirbt das Kind…Gottes Mühlen mahlen langsam, mahlen aber furchtbar klein.“
  • „immer noch lieb“, er verzeiht Marianne die „Schandtat“
  • Marianne muss jedoch gezüchtigt werden
  • Uneheliches Kind ist die Barriere
  • Zauberkönig will sich von Marianne distanzieren
  • Nennt ihre Schand nach mir! Das auch noch!“
  • „Ihre“, im Dialog mit Marianne baut Distanz auf
  • Nennt sein Enkelkind „Schand“ à zeigt seine Abneigung
  • Im Normalfall ist es eine Ehre, wenn das Kind nach jemandem benannt wird, doch da es unehelich ist, ist das Kind in den Augen des Zauberkönigs eine Beleidigung
  • Scheinmoral: „Du bist noch Jungfrau?...Na ich werd das mal nachkontrollieren.“
  • Will Gelegenheitssex, aber seine Tochter ist „ehrenlos“ da sie nicht mit einem vorbestimmten Mann sein will

Written Task 2

Einer der zentralen Konflikte des Volksstücks „Geschichten aus dem Wienerwald“ von Ödön von Horvath entsteht auf Grund der traditions- und religionsbezogenen Perspektive mehrerer Leute gegenüber einer weniger konservativ denkender Protagonisten, hauptsächlich wegen ihrem unehelichen Kind. Vier Figuren und deren Aussagen (Oskar, der Zauberkönig, die Großmutter und der Beichtvater) werden analysiert werden, um zu erläutern, wie sich diese traditionstreue Gruppe im Werk präsentiert. Traditionstreu bezieht sich auf die Wichtigkeit des „heiligen Sakrament der Ehe“ in den Augen dieser Personen.

Die Stellung der Gesellschaft Marianne und vor allem ihrem unehelichen Kind gegenüber, wird mehrmals anhand der ländlichen und konservativen Großmutter Alfreds gezeigt. Konservativ beruft sich in diesem Fall auf die Wichtigkeit der Hochzeit vor dem Geschlechtsverkehr (für Frauen), und die Rolle der Frau als Dienerin des Mannes. Die Großmutter ist essenziell, da sich somit auch eine Frau gegen Mariannes Entscheidung stellt, und nicht nur die patriarchalische Männerwelt. Für die alte Frau ist das Kind minderwertig, da es die Folge einer „Sünde“ ist: „Vergleich mich nicht mit dem dort! Meine Eltern waren ehrliche Leut!“. Ihre herab wertende Art ist durch ihre Bezeichnung des Kindes als „dem da“ deutlich herauszulesen. Uneheliche Kinder wurden lange Zeit als „Bürger zweiter Klasse“ angesehen.[1] Daraus lässt sich auch Bereitschaft der alten, zitherspielenden Frau erklären, das Kind vorsätzlich umkommen zu lassen. Jedoch beruft sich diese anschließend auf Gott, um ihre Unschuld zu präsentieren: „Gott gibt und Gott nimmt.“ Hiermit handelt die Großmutter „im Dienste Gottes“, da Alfred und Marianne das „heilige Sakrament der Ehe“ verachtet haben. Die Wichtigkeit dieses Sakraments wird weitergehend von ihr erläutert: „Ich hab mein Kind in Ehren geboren, oder bist du ein unehelicher Schlampen?! Wo kein Segen von oben dabei ist, das endet nicht gut, und soll es auch nicht!“ Diese Frage an ihre Tochter zeigt ein weiteres Mal die konservative Stellungnahme der Großmutter, und ihre Tochter kann nicht dagegen argumentieren. Unehelich ist für diese konservative Figur ein Synonym für minderwertig, und auch ihre Aussage, dass ein Kind ohne Segen keine gute Zukunft haben kann und soll, kommuniziert ihre felsenfeste Überzeugung, dass die katholischen Traditionen, wie zum Beispiel der Taufe, ein lebenswichtiger Aspekt sind. Diese Einstellung wird auch vom Beichtvater, einem Mann der mit den katholischen „Richtlinien“ sehr vertraut ist, vermittelt.

Der Beichtvater, ein Diener Gottes, ist ebenfalls ein strenger Gegner Mariannes und ihrer wider-katholischen Handlungen. Auch er verurteilt sie sofort: „Und du hast dieses Kind der Schande und Sünde nicht einmal taufen lassen.-Sag selbst: kann bei all dem etwas Gutes herauskommen?“ Mit dieser rhetorischen Frage zeigt sich deutlich, dass der Beichtvater nicht versuchen will, Marianne zu verstehen. Auch das Kind wird herab gewertet, und fällt somit auch in den Augen des Beichtvaters unter die Kategorie des „Bürgers zweiter Klasse“. Er ist so stark an die Lehren der katholischen Kirche gebunden, welche Frauen nicht die volle Freiheit und Unabhängigkeit zusprechen wollen, und kann Marianne daher nicht anhören, sondern schickt sie hinfort, als er merkt, dass sie seine Ansichten in Bezug auf das Kind nicht annehmen will. Hiermit wird Marianne aus der Glaubensgemeinde ausgeschlossen. Des Weiteren zeigt er Solidarität zur Männerwelt, und wertet Alfred ab: „du hast deinem armen alten Vater…schmerzlichstes Leid zugefügt…hast deinen braven Bräutigam verlassen und hast dich an ein verkommenes Subjekt geklammert“ Die Adjektive „armen alten“ und „braven“ beteuern erneut die Haltung des Diener Gottes.

Oskar, äußerst gottesfürchtig und durch die Trennung mit Marianne schwer gekränkt, ist bereit sie zurück zu nehmen, jedoch stellt das uneheliche Kind die Schwierigkeit da, wie er Valerie mitteilt: „Ich hab sie noch immer lieb --- vielleicht stirbt das Kind…Gottes Mühlen mahlen langsam, mahlen aber furchtbar klein.“ Mit dem ersten Satz stellt der Metzger sich selbst als Opfer dar, das Marianne trotz ihrer Tat noch immer vermisst, und ignoriert die Tatsache, dass Marianne die Zwangsheirat nie wollte und sehr unter seiner Grobheit litt. Oskar sehnst sich den Tod des Kindes herbei, teilweise damit begründbar da ein uneheliches Kind eine „Sünde“ ist, und somit eine Beleidung Gottes. Das „langsame mahlen“ beschreibt die Züchtigung Mariannes, nach welcher sie wieder in die Ehe mit Oskar gehen kann, wie am Ende des Stücks durch Mariannes Aussage: „Ich kann nicht mehr. Jetzt kann ich nicht mehr.“ festgestellt wird. Ihre Resignation ist im Sinne Gottes, den „Ihm gefallen nicht die stolzen Herzen, sondern die zerschlagenen Herzen.“[2]

Auch der Zauberkönig ist Teil der konservativ geprägten Gruppe des Werks. Er verleugnet seine Tochter, und sieht es als eine Beleidigung, dass Marianne ihren Sohn nach ihm benennt: „Na das ist aber der Gipfel! Nennt ihre Schand nach mir! Das auch noch!“ Hiermit zeigt Horvath die Geringschätzung des Vaters seiner Tochter gegenüber, da er sein Enkelkind als „Schand“ bezeichnet, eine etwas mildere Form der Verachtung des Kindes durch die Großmutter. Des Weiteren baut der Zauberkönig Distanz zwischen ihm und Marianne, da er sie in der dritten Person mit „ihre Schand“ anspricht. Diese Aussage des Vater stimmt jedoch nicht mit seinen sonstigen moralischen Vorsätzen überein, da er durchaus an unehelichem Geschlechtsverkehr interessiert ist, wie im „Maxim“ zu sehen ist: „Du bist noch Jungfrau?...Na ich werd das mal nachkontrollieren.“ Dieser Auszug bietet einen guten Kontrast zu der Position, die der Zauberkönig kurze Zeit später einnimmt, um somit die Scheinmoral zu verdeutlichen, ein weiteres Merkmal dieser Gruppe.

All diese Charaktere werden durch ihre Abscheu gegenüber Marianne und deren Kind gekennzeichnet, und weigern sich, diese als vollwertiges Mietglied der Gesellschaft anzuerkennen. Sie werden in dieser Weise dargestellt, um zu zeigen, wie unmöglich es für eine Frau ist, sich aus den Klauen der konservativen und religionsbesessenen Wiener Gemeinde der damaligen Zeit zu befreien und ihr eigenes Leben zu gestalten. Somit werden diese Figuren als Kritik an dem Einfluss der katholischen Kirche auf das Leben von Menschen, die sich gegen die Norm stellen, verwendet. Sie sind allesamt kompromisslos und verschlossen der Emanzipation der Frau gegenüber, wie auch anhand der geplanten Hochzeit zwischen Oskar und Marianne offenbart wird. Das Publikum soll sich mit Marianne sympathisieren, und Mitleid an ihrem Scheitern empfinden.

Bibliographie

Kioulachoglou, Anastasios. "Die Züchtigung des Herrn." Biebel Online. Accessed January 28, 2015. http://www.diebibelonline.de/Die-Z%C3%BCchtigung-des-Herrn.htm.

"UNEHELICHES KIND: Ruch der Sünde RECHT." Spiegel, September 19, 1966.


[1] "UNEHELICHES KIND: Ruch der Sünde RECHT." Spiegel, September 19, 1966.

[2] Kioulachoglou, Anastasios. "Die Züchtigung des Herrn." Biebel Online. Accessed
January 28, 2015. http://www.diebibelonline.de/
Die-Z%C3%BCchtigung-des-Herrn.htm.

Bewertung WT 2 Horvath
Kriterium A - Outline - 2 Punkte

1/2 P.

Das Outline ist formal nicht ganz korrekt. Der Schüler soll in seinem Outline die im Task aufgestellten Hauptthesen nennen. Hier findet sich lediglich eine Sammlung von (wenn auch guter) Gedanken. Diese waren sicher vor dem Schreiben des Tasks verfasst worden. Es handelt sich eher um einen Schreibentwurf. Das Outline sollte am Ende geschrieben werden, um diese Fehler zu vermeiden.

Kriterium B - Response to the question - 8 Punkte

7/8 P.

Ein gutes Task.

Kriterium C - Organization and argument - 5 Punkte

5/5 P.

Schlüssig und überzeugend argumentiert.

Kriterium D - Language and style - 5 Punkte

4/5 P.

Flüssig, aber Fehler in der Zeichensetzung und Rechtschreibung.

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