Der Lang&Lit-Kurs (Examen 2021)

Im Folgenden möchte ich einen Überblick darüber geben, wie der neue Language & Literature-Kurs strukturiert ist. Das Schaubild von Michael Winsatt zeigt auf zusammenfassende Art sehr gut die Unterschiede zwischen dem neuen und dem alten Kurs.  Es gibt einige sehr grundsätzliche Änderungen in der Kursstruktur. Darüberhinaus gibt es auch Änderungen in der Terminologie und im Assessment.

1. Areas of Exploration

Eine der großen Veränderungen besteht darin, dass die vier Parts als strukturierendes Element wegfallen. Statt der Parts gibt es nun die so genannten areas of exploration. Ich habe entschieden, den englischen Begriff bis auf weiteres zu übernehmen - mangels einer Übersetzung, die mir gefällt. Es gibt drei areas of exploration:

a) Readers, Writers and Texts: Leser, Autoren, Texte

b) Time and Space: Zeit und Raum

c) Intertextuality: Intertextualität

Das bedeutet:

- Es gibt nicht wie bisher eine klare Trennlinie zwischen den Teilen "Sprache" (Part 1-2) und "Literatur" (Part 3-4). In den areas of exploration werden sowohl literarische als auch nicht-literarische Texte gelesen.

- Die areas of exploration sind nicht als voneinander getrennte Einheiten zu verstehen: Sie gehen ineinander über und ergänzen sich gegenseitig.

- Der IB Guide gibt so genannte conceptual questions (im Schaubild als inquiry questions bezeichnet) für jede der drei areas of exploration vor. Diese helfen, jeweils einen bestimmten Blickwinkel bei der Analyse der literarischen oder nicht-literarischen Texte einzunehmen. Sie können als Lehrer frei entscheiden, welche conceptual questions Sie wählen.

2. Concepts

Die sieben Konzepte, die im IB Guide im Einzelnen erläutert werden, sind: identity, culture, creativity, communication, perspective, transformation und representation. Sie dienen, genauso wie die drei areas of exploration, als strukturierende Elemente bei der Kursplanung. Sie können nicht isoliert betrachtet werden, sondern sie interagieren sowohl mit den areas of exploration als auch untereinander. Am besten kann man diese Konzepte im Unterricht mit "Leben füllen", indem man sie in conceptual/inquiry questions umformuliert und mit ihnen bei der Analyse der verschiedenen literarischen und nicht-literarischen Texte arbeitet.

Identity

Guiding questions: Inwiefern spielt die Identität des Autors bei der Textproduktion eine Rolle? Welche Rolle hat die Identität des Lesers für die Textinterpretation?

Culture

Guiding questions: In welchem kulturellen Kontext steht ein Text? Welche kulturellen bzw. gesellschaftlichen Werte werden in einem Text transportiert? Wie beeinflusst der kulturelle Kontext die Perspektive von Autor oder Leser?

Creativity

Guiding questions: Warum braucht ein Leser Kreativität bei der Texterschließung? Welche Rolle spielt Kreativität im Schreibprozess?

Communication

Guiding questions: Auf welche Weise, mit welchen stilistischen bzw. narrativen Mitteln, vermittelt ein Autor dem Leser eine bestimmte Botschaft in einem Text? Warum kann die Kommunikation zwischen Autor und Leser scheitern?

Perspective

Guiding questions: Wie beeinflusst die Perspektive des Lesers das Textverständnis? Inwiefern beeinflusst der zeitliche Kontext die Perspektive des Lesers oder auch des Autors, der in seinem Text eine bestimmte Perspektive zum Ausdruck bringt?

Transformation

Guiding questions: Inwiefern ist der Prozess des Lesens transformativ für einen Text? Inwiefern beziehen sich Texte aufeinander bzw. borgen Elemente voneinander aus? Was passiert mit einem Text im Rahmen solcher Transformationsprozesse? Stichwort Intertextualität! Welche Rolle spielt Kreativität bei der Transformation?

Representation

Guiding questions: Welche Rolle spielt die narrative Struktur, der Stil, die Wortwahl, also die Form eines Textes, für das Textverständnis und die Bedeutung? In welchem Verhältnis stehen Text und Realität zueinander?

Wie Sie sicher bemerkt haben, gibt es unter den Konzepten bzw. den Fragestellungen Überschneidungen und Verflechtungen.

3. Assessment

Es gibt diverse Änderungen im Assessment. In erster Linie sind die assessments nicht mehr Part-gebunden, was eine größere Flexibilität mit sich bringt. Paper 1 und Paper 2 sind recht ähnlich zu dem, was wir bereits kennen. Allerdings gibt es kein Written Task 1 mehr.

Paper 1

Es handelt sich wie bisher um eine guided textual analysis. SL-Kandidaten müssen einen nicht-literarischen Text analysieren. Im HL müssen die Schüler allerdings zwei nicht-literarische Texte verschiedener Textsorten separat analysieren. Sie schreiben also zwei separate Analysen und der bisherige Vergleich zweier Texte fällt weg. Es gibt sowohl im SL als auch im HL eine guiding question zu jedem Text.

Paper 2

Es handelt sich um einen vergleichenden Aufsatz (comparative essay). Zur Auswahl stehen vier Fragen, bisher waren es sechs Fragen. Die vier Fragen sind identisch mit denen des German A: Literature-Kurses. Der vergleichende Ansatz wurde bisher im Language & Literature-Kurs bei Paper 2 nicht explizit verlangt. Der Anspruch zwei literarische Werke miteinander direkt zu vergleichen stellt somit eine neue Herausforderung dar.

HL Essay

Der HL Essay erinnert sehr an das bisherige Written Task 2. Der Essay bezieht sich auf einen vom Schüler ausgewählten literarischen oder nicht literarischen Text, der im Unterricht besprochen wurde und der unter einer selbst gewählten Fragestellung analysiert und interpretiert wird. Die Länge des HL Essay beträgt 1.200 bis 1.500 Wörter. Neu ist, dass es keine vorgegebenen Fragen mehr gibt.

Internal assessment

Es handelt sich um ein individual oral von 15 Minuten, sowohl im SL als auch im HL. Als Basis des orals dienen zwei vom Schüler selbst gewählte und im Vorfeld vorbereitete Texte bzw. Textausschnitte: ein Text bzw. Textausschnitt ist literarisch, der andere nicht-literarisch. Als übergeordnete Fragestellung dient der folgende prompt:  "Examine the ways in which the global issue of your choice is presented in the two extracts studied".

4. Learner Portfolio

Das Schülerportfolio ist ein wichtiger Bestandteil des neuen Kurses. Es spielt zudem eine zentrale Rolle für die diversen assessments. Dem learner portfolio, wie auch allen anderen hier genannten Aspekten des neuen Kursprogramms, werde ich selbstverständlich noch mehr Raum auf eigenen Seiten geben.

5. Prescribed Reading List

Für alle Sprachen gibt es jetzt nur noch eine Liste, die prescribed reading list. Auf dieser Liste finden sich nur Autorennamen, keine Werknamen. Man ist also sehr frei in der Auswahl. Zumal gibt es sowohl im SL als auch im HL noch die "free choice". Es handelt sich um eine echte "free choice", es gibt keinerlei Vorgaben.

Kursstruktur (vereinfacht)

  

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