Der goldne Topf (E.T.A. Hoffmann)

In diesem Written Task 2 hat der Schüler die Frage 2 "If the text had been written in a different time or place or language or for a different audience, how and why might it differ?" gewählt. Der deutsche Arbeitstitel lautet: "Inwiefern würde sich der Text Der goldne Topf von E. T. A. Hoffmann vom Original unterscheiden, wäre er in der literarischen Epoche der Aufklärung als erzieherisches Werk verfasst worden?"

Lesen Sie hier das Outline und das Task des Schülers.

Outline

Dieser Essay wurde in Part 4 in Bezug auf die Einheit „Ein Autor der Romantik: E.T.A. Hoffmann“ verfasst. Dieser ist eindeutig vorhanden, da hier ein literarischer Text auf seine Epochenbezogenheit analysiert wird. Das betrachtete Werk ist das Kunstmärchen „Der goldne Topf“, im Jahre 1819 von E. T. A. Hoffmann verfasst. Es gehört zur Epoche der Romantik und handelt von dem Studenten Anselmus aus Dresden und dessen Werdegang als Dichter in der magischen Welt, nachdem er sich in die Schlange Serpentina verliebt. Ich habe die Frage Nr. 2 aus dem Bereich „Leser, Kultur und Text“ ausgesucht: „Wie und warum würde sich der Text unterscheiden, wäre er zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort, in einer anderen Sprache oder für ein anderes Publikum verfasst worden?“ Aus den vorgegebenen Optionen habe ich mir die Zeit ausgesucht und die literarischen Epochen der Romantik, in der der Text verfasst wurde, und die Aufklärung, die einen guten Kontrast zur Romantik darstellt, ausgesucht. Daraus ergab sich die Frage „Inwiefern würde sich ‚Der goldne Topf‘ von E. T. A. Hoffmann vom Original unterscheiden, wäre er in der literarischen Epoche der Aufklärung als erzieherisches Werk verfasst worden?“ Diese Frage versuche ich zu beantworten, indem ich zunächst die verschiedenen Epochen und ihre Alleinstellungsmerkmale betrachte, um ihre Unterschiede und Gemeinsamkeiten dann am Werk zu vergleichen und anzuwenden. Schlussendlich komme ich zum Fazit, dass sich das Werk durch einige Abänderungen auf die andere Zeit anwenden lässt.

232 Wörter

Literatur

Hoffmann, E. T. A. (1819). Der goldne Topf: Ein Märchen aus neuer Zeit. Ditzingen: Reclam.

von Wilpert, G. (2001). Aufklärung. In Sachwörterbuch der Literatur. (8. Auflage). Stuttgart: Alfred Kröner.

Written Task 2

 „Der goldne Topf“, im Jahre 1819 von E. T. A. Hoffmann verfasst, ist ein Märchen aus der Epoche der Romantik. Wie die meisten literarischen Epochen weist auch diese besondere Eigenschaften und Symbole auf, die Werke aus der Zeit prägen und die die Kenntnis der Werte und Tendenzen der Menschen aus dieser Zeit für eine gelungene Interpretation unabdingbar machen. Daraus ergibt sich natürlich, dass ein Werk aus einer Epoche in einer anderen grundverschieden oder gar nicht gestaltet worden wäre. Auf dieser Überlegung basiert dieser Text, das Ziel ist, ein besseres Verständnis beider Epochen (der Romantik, aus der das Werk stammt, und der Aufklärung, in die es gedanklich versetzt werden soll) zu fördern und Schlüsselelemente Hoffmanns Werks offenzulegen. Dazu werden zunächst beide Epochen einzeln betrachtet und dann am Märchen miteinander verglichen, um Unterschiede und Parallelen festzustellen. Ein besonderer Fokus wird dabei auf das Ende und den Aufbau bzw. einige Szenen sowie die prägenden Werte des Werks gelegt. Eine Unterscheidung wird vor allem in der Charakterisierung und Bewertung der Figuren sowie im Ausgang des Märchens vermutet.

Die Romantik war eine literarische Epoche, die etwa von 1798 bis 1835 andauerte. In ihr wurde viel Wert auf die Fantasie und das Irrationale sowie das Gefühl gelegt. Der Dichter bzw. Autor nahm eine wichtige Rolle als Künder einer Geschichte ein. Es fand eine Rückwendung zum Mittelalter statt, die Blaue Blume hielt als Symbol der Sehnsucht und der Transzendierung, die ein prägendes Motiv waren, Einzug. Die Dichtung wurde als erlösend betrachtet, das Leben sollte „poetisiert“ werden. Im Allgemeinen lässt sich außerdem ein Trend zum Eskapismus feststellen. Beliebte literarische Formen der Romantik waren beispielsweise das Volkslied oder das Märchen (zu den Kunstmärchen, einer Unterart, zählt „Der goldne Topf“).

Im Kontrast dazu steht die Aufklärung, die ungefähr in das 18. Jahrhundert einsortiert wird. Hier herrschten Rationalismus, Sensualismus und Empirismus als einzige Erkenntnisquellen vor. Die Fähigkeiten und Talente des Einzelnen rückten in den Vordergrund, es wurden Rechte und Toleranz gefordert. Weiter lässt sich ein Glücksstreben feststellen, das durch Tugend und Bildung erfüllt werden sollte. Es breitete sich eine allgemeine Morallehre aus, der Eskapismus wurde eher argwöhnisch betrachtet. Literarische Formen der Aufklärung waren oft auf einen erzieherischen Aspekt zugeschnitten, Werke, die eine Moral enthielten, wurden bevorzugt. So wurden etwa viele Fabeln oder Parabeln als belehrende Werke verfasst.

Wenn man nun diese beiden Epochen vergleicht, fallen vor allem Unterschiede auf. Dies führt zunächst zu der Frage, ob ein Märchen in der Aufklärung überhaupt verfasst worden wäre. Diese lässt sich insofern beantworten, dass man bei der Einordnung einer „Epoche“ jederzeit beachten sollte, dass hervorgehobene Merkmale immer nur Tendenzen und den allgemeinen Konsens widerspiegeln können. Wie man heute sehr gut an der Vielfalt der entstehenden Literatur erkennen kann, sind zu jeder Zeit auch Werke entstanden, die nicht in das Muster passten. Es lässt sich also festhalten, dass das Verfassen des „goldnen Topfes“ in der Aufklärung theoretisch möglich gewesen wäre. Demnach bleibt festzustellen, wie das Werk trotz seiner von der Norm abweichenden Form in jener Zeit von den Werten der Aufklärung beeinflusst worden wäre.

In dieser Hinsicht scheint es sinnvoll, zunächst das Ende des goldnen Topfes zu betrachten, um daraus Rückschlüsse über den Rest des Märchens ziehen zu können. Im ursprünglichen Ende des Werks geht die Hauptfigur Anselmus in das Reich Atlantis ein, um dort ein „Leben in der Poesie“ (S.102, Z.4) zusammen mit seiner Geliebten zu verbringen. Dies wäre in der Aufklärung entschieden anders, da der so vorgezeigte Eskapismus nicht als erstrebenswert betrachtet wurde. Stattdessen hätte Anselmus vermutlich den Übergang in diese Welt und somit den Abschluss seines Werdegangs (1) als Held und Poet verweigert und wäre in der bürgerlichen Welt verblieben. Es scheint wahrscheinlich, dass er diesen Weg gar nicht so weit verfolgt hätte und ihn schon früher im Sinne Veronikas, die er als gutbürgerliche Frau geliebt hätte, verlassen würde. Daraus erschließt sich eine völlig neue Perspektive auf den Aufbau des Märchens im Sinne der erzieherischen Werke der Aufklärung, in dem Anselmus diese Möglichkeit eines poetischen Werdegangs erkundet und in Betracht zieht, sie aber in gewonnener Weisheit als vernünftiger Erwachsener ablehnt und in der rationalen Realität verbleibt, um dort sein Glück zu suchen und zu finden. Um diese Moral, die für die Aufklärung recht typisch ist, zu stützen, wären viele Figuren anders charakterisiert worden: Etwa wäre die magische Unterstützung Veronikas - im Original eine verbitterte Hexe - eher eine weise Figur, die Anselmus auf die „richtige Bahn“ lenken wollen würde, während der Archivarius Lindhorst, der im Werk Hoffmanns eben diese Rolle einnimmt, vermutlich eher einem Verrückten gleichen würde, der die Tugend vergessen hat und abseits des Verstands seine eigene Welt bewohnt.

Hier werden auch bereits die Werte der Aufklärung in der Form, wie sie im Werk vertreten wären, sichtbar: die gemeinhin „guten“ Figuren der magischen Welt (Serpentina, Lindhorst, der Papagei) erscheinen in der umgewandelten Version eher wie Törichte, die die Empirie ablehnen und sich so nach diesen Werten dem Glück verweigern. Sie erscheinen somit als Negativbeispiel in einem belehrenden Werk.

Weiter wären noch die Szenen zu betrachten, in denen der Autor, der in Hoffmanns Werk eine eigene Figur darstellt, die scheinbar in derselben Welt wie die anderen Figuren existiert, den Leser direkt anspricht. Diese Szenen würden in der Aufklärungsversion wegfallen, da hier der Leser durch seinen eigenen Verstand eine Lehre aus dem Werk ziehen soll. Die Autor-Figur verletzt das Bestehen des Werkes auf seiner eigenen, parabelartigen Ebene und wäre somit nicht vorhanden.

Schlussendlich lässt sich aus diesen Ergebnissen ziehen, dass das Kunstmärchen „Der goldne Topf“ in der Aufklärung durch seine Gattung und seine explizite Auseinandersetzung mit dem Wunderbaren zwar ein äußerst atypisches Werk wäre, jedoch trotzdem als eine durch ein Negativbeispiel belehrende Geschichte über die Entwicklung eines jungen Studenten zu einem tugendhaften, bodenständigen Bürger bestehen könnte.

982 Wörter

Literatur

(1) Vgl. Schmidt, J. Der goldene Topf. Ein Schlüsseltext romantischer Poetologie. In: Sasse, G. (2004). Interpretationen.

- E.T.A. Hoffmann. Romane und Erzählungen. (S. 43-59). Stuttgart: Reclam. Zitiert nach: Mutschler, F. (2017).

- Stundenblätter: E.T.A. Hoffmann: Der goldene Topf. (1. Auflage). Stuttgart: Ernst Klett.

Bewertung

Die offizielle Bewertung dieses Tasks liegt noch nicht vor, es sollte jedoch aus meiner Sicht ein gutes bis sehr gutes Ergebnis erzielen. Das Outline folgt nicht den geltenden Regeln, da es als Text verfasst wurde und nicht die zentralen Thesen zusammenfassend darstellt. Ein Punkt Abzug bei A ist daher wahrscheinlich. Kriterium D sollten volle Punktzahl erhalten. Bei B und C müssen wir die Bewertung der Prüfers abwarten.

WT 2 Der goldne Topf

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