BoW: Terre des Hommes

Die Organisation "Terre des Hommes" setzt sich für eine »Erde der Menschlichkeit« ein. Sie versucht Gewalt gegen Kinder zu stoppen, sie vor Sklaverei, Ausbeutung und Missbrauch zu schützen und für Erziehung und Ausbildung zu sorgen. "Terre des Hommes" möchte, dass Kinder in einer gesunden und nachhaltigen Umwelt aufwachsen, die auch zukünftigen Generationen Lebenschancen bietet. Auf der deutschen Website der Organisation www.tdh.de gibt es verschiedene Texte, die globale Themen wie zum Beispiel Armut, Gewalt und Menschenrechte aufgreifen. Eine Beschäftigung mit den Texten von "Terre des Hommes" ist informativ und eröffnet den Schülern diverse Möglichkeiten für ihr Individual Oral. Wichtig ist nur, dass die Schüler und Sie sich für eine Textform bei der Zusammenstellung eines "bodies of work" entscheiden. Sie können zum Beispiel einige Werbeplakate der Organisation als BoW nehmen oder aber eine Anzahl kurzer Videos, die als multimodale Texte ebenfalls für das IO verwendet werden dürfen. Informationsbroschüren mit Fallbeispielen wären ebenfalls denkbar. Materialbestellungen für die Schule sind unter logistik@tdh jederzeit möglich. Auf der Webseite finden sich unter "Mitmachen" und "Schule" zudem weitere Ideen.

Ich möchte auf dieser Seite ein Beispiel zum Thema "Moderne Sklaverei" mit drei kurzen Videoclips, die für/von der Organisation produziert wurden, vorstellen.

Moderne Sklaverei in Indien

Das Wort »Sumangali« bedeutet auf Tamil  »Glückliche Braut«: Der hohe Brautpreis, der bei einer Heirat in Indien an die Familie des Mannes gezahlt werden muss, zwingt viele Eltern dazu, ihre Töchter zum Geldverdienen in die Fabriken zu schicken.

Menschenhändler nutzen die prekäre Situation armer Familien aus: Sie ziehen über die Dörfer und suchen gezielt nach diesen Mädchen – um ihnen eine gute Arbeit mit Verpflegung und Unterkunft zu versprechen. Häufig werden die Eltern der Mädchen so lange überzeugt, bis sie in den menschenverachtenden Sumangali-Vertrag einwilligen.

Für die Mädchen beginnt damit eine jahrelange Tortur. In den Fabriken sind sie praktisch rechtlos. Sie müssen täglich 12 bis 16 Stunden arbeiten, auch 24-Stunden-Schichten sind üblich. An den Maschinen verletzen sie sich häufig. Immer wieder werden sie von den Aufsehern beschimpft, geschlagen und sexuell belästigt.

Die Arbeiterinnen leben eingesperrt auf dem Fabrikgelände. In finsteren Baracken schlafen sie dicht gedrängt auf dem blanken Fußboden. Selbst um den versprochenen Lohn, der weit unter dem indischen Mindestlohn liegt, werden die meisten noch betrogen. Die Mädchen haben kaum Kontakt zu ihren Eltern. Täglich versuchen einige, aus den Fabriken zu entkommen. Manche der Mädchen sehen Selbstmord als einzigen Ausweg.

"Das Essen, das wir Arbeiterinnen bekamen, war schlecht, manchmal sogar schon faul und verdorben. In den Hallen gab es keine Ventilatoren, es war viel zu heiß und stickig. Von den Aufsehern wurden wir beschimpft und geschlagen. Wir lebten als Gefangene und durften nie widersprechen." RESHMA, 18 JAHRE

Mädchen werden gern für die Sumangali-Arbeit angeworben, weil sie als genügsam und gehorsam gelten. Fehlende Gleichberechtigung und Armut machen die Mädchen zu einer gefügigen »Arbeitsmasse«, die sich weder in Gewerkschaften organisiert noch für mehr Lohn protestiert oder gar streikt.

Fast alle Kinder in Zwangsarbeit und Sklaverei kommen aus armen Familien. Das Bildungsniveau ist niedrig, auch weil die Kinder arbeiten gehen, statt die Schulbank zu drücken. Das geschieht nicht freiwillig: Die zusätzlichen Einnahmen der Kinder sichern das Überleben der Familie. In Indien erschweren außerdem das Kastensystem sowie die Diskriminierung von Mädchen den Zugang zu Bildung und Einkommen.

Auf 10 Millionen schätzt die Internationale Arbeitsorganisation ILO die Zahl der Kinder, die weltweit als Arbeitssklaven, Zwangsprostituierte oder in privaten Haushalten missbraucht und ausgebeutet werden. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich unvorstellbares Leid, Tag für Tag.

Mädchen, die in Textilfabriken vor Erschöpfung zusammengebrochen sind oder die als Hausmädchen von ihren »Herren« missbraucht, geschwängert und auf die Straße geworfen wurden. So verschieden die Geschichten sind, Kinder in Sklaverei sind der Willkür anderer ausgeliefert.

Multimodale Texte (Videoclips) von "Terre des Hommes" zu diesem Thema

Mersi: »Ich verlor die halbe Hand« - YouTube

»Wir haben hier einen Selbstmordversuch am Tag« - YouTube

Menschenhändler nutzt die Armut aus - YouTube

Konzeptuelle Leitfragen

Welche Botschaft soll dem Zuschauer vermittelt werden und auf welche Weise geschieht dies? (Perspektive, Repräsentation, Kommunikation) 

Mit welchen konkreten sprachlichen und visuellen Mitteln arbeiten die Autoren, um bestimmte Gefühle (zum Beispiel Betroffenheit oder Wut) beim Zuschauer zu erzeugen? (Repräsentation, Kommunikation)

Sind Videos besser geeignet als schriftliche Texte, um dem Zuschauer eine Situation zu verdeutlichen? Warum? Warum nicht? (Transformation)

Es handelt sich hier um Beispiele möglicher Fragen, die natürlich ergänzt werden können. Sie sollen vor allem zeigen, dass die Concepts am besten in dieser fragenden Form in den Unterricht und den Umgang mit Texten integriert werden.

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